Laut der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Ingwer schon seit über 2.000 Jahren für bestimmte Krankheiten eingesetzt. Auch in der indischen Medizin (Ayurveda) ist die Heilwirkung seit Jahrhunderten bekannt und selbst im mitteleuropäischen Raum bekommt diese Knolle immer mehr Bedeutung. Sie wird als sehr wirksames pflanzliches Heilmittel in der Kräutertherapie und Pflanzenheilkunde eingesetzt. 2018 wurde Ingwer sogar zur Heilpflanze des Jahres gewählt und hat sich bei über 100 Krankheiten, etwa Diabetes, schmerzhaften Gelenkentzündungen, Beschwerden rund um den Verdauungstrakt aber auch bei Übelkeit z.B. durch Chemotherapien, bewährt.
Ein wichtiger Bestandteil der Pflanze ist dabei einer der „Scharfstoffe“ – Gingerol –, der für das unverwechselbare Aroma verantwortlich ist. Gingerol ist, in der Zusammenwirkung mit anderen Stoffen, für die heilsame Wirkung von Ingwer verantwortlich. Die Bandbreite der positiven Eigenschaften reicht von appetitanregend, blähungstreibend, blutdruck- und cholesterinsenkend, entzündungs- und krebshemmend bis hin zu schmerzstillend und verdauungsfördernd. Ingwer enthält zudem bestimmte Inhaltsstoffe, die freie Radikale abfangen können. Und dänische Forscher fanden heraus, dass Ingwer in sehr starkem Maße die Blutgerinnung hindert. Das Blut wird durch Ingwer weniger klebrig – also dünner. Sie verglichen dabei die Wirkungsweise des Ingwers mit dem von Aspirin.
Verwendet wird ausschließlich der Wurzelstock in frischer oder getrockneter Form. Doch ist es speziell der frische Ingwer, der akute Leiden schneller heilt. Bei Brechreiz, Übelkeit und plötzlich auftretenden Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wird er in Form eines Tees eingesetzt. Für einen Tee raspeln Sie einfach ein kleines Stück der frischen Ingwerwurzel, geben diese auf ¼ l heißes Wasser und lassen alles 10 Minuten zugedeckt ziehen. Bereiten Sie sich so einen Tee mehrmals am Tag zu und genießen ihn – eventuell mit etwas Honig gesüßt – so heiß wie möglich. Der Tee hat auch einen positiven Einfluss auf die Gallensaftproduktion und hilft die Stimmbänder zu entspannen. Bei akuter Übelkeit können auch – alternativ zum Teetrinken und für unterwegs – dünne Scheiben vom frischen Ingwer gekaut werden. Gerade für unterwegs können aber auch – schnell und unkompliziert – Ingwerpastillen zum Lutschen helfen. Und gegen Reiseübelkeit gibt es z.B. ein spezielles Arzneimittel mit Ingwerstockpulver in Kapselform, welches auch schon für Kinder ab 6 Jahren geeignet ist. Zudem werden Ingwer-Bonbons oder Kaugummis – oft in Kombination mit z.B. Zitrone, Orange oder Orangenminze angeboten, um mit dem fruchtigen Geschmack die typische Schärfe zu mildern.
Wie genau nun die wertvollen Inhaltsstoffe im Körper zum tragen kommen – zum Beispiel die verdauungsfördernde Wirkung – ist noch immer nicht ganz erforscht. Man geht aber davon aus, dass die Scharfstoffe der Wurzel dem Körper regelrecht einheizen. Damit wird der gesamte Stoffwechsel angekurbelt und die Fettverdauung sowie Gallensaft- und Magensäureproduktion gefördert und so – ganz nebenbei – auch noch das Abnehmen unterstützt. Zudem soll Ingwer die gesunde Darmflora unterstützen und Heißhungerattacken unterbinden.
Da die Knolle – neben den Scharfstoffen – auch Vitamin C und Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor enthält, ist sie ein regelrechter Booster für unser Immunsystem.
Neben dem oben erwähnten Tee, ist auch ein Ingwerwasser ideal. Als Durstlöscher mit vielen positiven Eigenschaften ist es schnell hergestellt. Für einen Liter Ingwerwasser geben Sie einfach eine handvoll dünne Ingwerscheiben in eine Kanne, übergießen diese mit heißem Wasser und lassen alles mindestens eine Viertelstunde ziehen. Danach kann das Wasser heiß, zimmerwarm oder kalt getrunken werden. Zusammen mit Zitrone, Honig und Thymian ist es auch ein bewährtes Mittel in der Erkältungszeit.
Ingwer und seine Wirkung auf die Psyche
Die im Vitamin C enthaltenen Antioxidantien sind wichtig für das Gehirn. Ingwer soll – durch seine durchblutungsfördernde und kreislaufanregende Wirkung – die Aufmerksamkeit verbessern und als natürlicher Stimmungsaufheller wirken. Der Inhaltsstoff Gingerol steigert als positive Nebenwirkung auch die Ausschüttung der Glückshormone. Durch den Verzehr von Ingwer steigt der Serotonin- und Dopaminspiegel messbar an und kann sich z.B. positiv auf Depressionen und den Winterblues auswirken.
Auch als Fertigprodukt erhältlich
Sollten Sie keine Zeit finden, frischen Ingwer zuzubereiten, dann finden Sie in Apotheken und gut sortierten Kräuter- und Bioläden zahlreiche Fertigpräparate mit Ingwer. Je nach Sortiment und Vorrat sind gemahlener Ingwer, Ingwertee oder Teemischungen, Ingwertropfen – pur oder in Kombination mit Thymian erhältlich. Achten Sie auf hochwertige Qualität ohne Alkohol, Süß- oder Konservierungsstoffe. Immer beliebter werden Ingwer-Pflanzentrunks oder die sogenannten Ingwer-Shots. Gerade diese hochkonzentrierten Ingwer-Shots haben sich auch in Supermärkten und Reformhäusern fest etabliert. Ob die saftigen Preise für die Miniportionsfläschchen immer gerechtfertigt sind, muss jeder für sich entscheiden. Wer ein hochwertiges Produkt mit wenig Zucker und hohem Ingweranteil erwischen möchte, sollte unbedingt die Nährwerttabelle und die Zutatenliste auf den Fläschchen studieren. Oder man produziert solch einen Booster selber, indem man zerkleinerten Ingwer, Wasser und einen Schuss Fruchtsaft mixt. Das ist deutlich günstiger und spart Verpackungsmüll. Im Netz und z.B. auf dieser Seite finden sich einfache Rezepte und viele weitere wertvolle Hinweise dazu.
Ingwer kann noch mehr
Denn diese Knolle eignet sich sogar für äußerliche Anwendungen. Ingwersalbe, die Sie in der Apotheke oder im Kräuterhaus bekommen, wirkt unter anderem durchblutungsfördernd, entzündungshemmend und muskelentspannend.
Der eigene Anbau gelingt spielend leicht
Da der meiste Ingwer, den wir im Supermarkt kaufen können, meist schon eine lange Reise hinter sich hat, lohnt der eigene Anbau. Schneiden Sie einfach eine möglichst frische Wurzel in fünf Zentimeter große Stücke. Achten Sie darauf, dass sich an jedem Stück ein „Vegetationsknötchen“ befindet. Das sind die kleinen Knubbel an der Wurzel, aus denen der Ingwer dann austreibt. Legen Sie am besten im Frühjahr die Stücke mit der Schnittfläche nach unten in einen nicht zu kleinen Blumentopf mit nährstoffreicher Pflanzerde, bedecken alles dünn damit und stellen den Topf an einen warmen und hellen Standort. Das kann in den Sommermonaten auch der Balkon oder Garten sein. Gießen Sie regelmäßig mit kalkarmem Wasser. Ab circa Oktober, wenn die sprießenden Blätter gelb werden, können Sie die Knolle ausgraben und den eigenen Ingwer frisch genießen. Auf dieser Seite wird in kleinen Videos und einfachen Schritt für Schritt Anleitungen noch einmal ganz ausführlich der Anbau erklärt.
Hinweis: Betroffene, die eine vermehrte Blutungsneigung haben oder eine Therapie durchführen, die die Blutungsbereitschaft erhöht, sollten sich – bevor Ingwer höher dosiert eingenommen wird – mit ihrem Arzt absprechen. Dieses gilt auch für Gallensteinleidende. Bezüglich der Anwendung von Ingwer während der Schwangerschaft gibt es widersprüchliche Angaben in der Literatur. Die Kommission E rät davon ab, Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen anzuwenden. Dennoch gibt es klinische Studien, in denen Ingwer erfolgreich gegen Übelkeit während der Schwangerschaft eingesetzt wurde. Da der Wirkmechanismus aber noch nicht erforscht ist, sollte man Ingwer während der Schwangerschaft nur mit Vorsicht genießen. Gelegentlich wird sogar darauf hingewiesen, dass Ingwer Wehen auslösen könne.
Wer sich weiter einlesen möchte, dem empfehle ich das Buch „Gesund mit Ingwer“ von Ellen Heidböhmer. Dieser Ratgeber der bekannten Gesundheitsautorin gibt einen umfassenden Überblick über die Heilkräfte des Ingwers und stellt Krankheiten und Symptome vor, bei denen Ingwer helfen oder gar heilen kann.
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Über Wirksam Heilen:
Der Verlag „Wirksam heilen“ ist ein Herzensprojekt das von Bärbel Puls im Jahr 2014 gegründet wurde.
Aufgrund eigener, gesundheitlicher Probleme beschäftigte sich Frau Puls bereits sehr früh und sehr intensiv mit diversen Erkrankungen sowie wirksamen Naturheilverfahren. Im Jahr 2006 gründete sie das Schüssler-Forum, das schnell eine wichtige Anlaufstelle für viele Menschen mit gesundheitlichen Problemen in Deutschland wurde. Im Jahr 2014 wurde dann „Wirksam Heilen“ ins Leben gerufen, ein umfassendes Compendium und digitales Nachschlagewerk zu einer Vielzahl von Erkrankungen und Gesundheitsproblemen sowie alternative und wirksame Behandlungsmethoden dazu. Beide Projekte wurden im Dezember 2022 von BENE NATURA D.O.O. – Geschäftsführer Stefan Lackermeier – übernommen. Bärbel Puls wird als Gastautorin weiterhin Beiträge veröffentlichen.
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